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CHRISTENTUM:

Ein Versuch die Zehn Gebote im Zusammenhang
mit Kants “Moralischen-Gesetz-in-uns” einzuordnen:
 

Die VIER TAFELN von Gottes ZEHN GEBOTEN
(bisher war immer nur von zwei Tafeln die Rede)
im Gottesgebote-Quarternio dargestellt:

Bitte Leserichtung des Quaternio beachten: GRÜN-BLAU-GELB-ROT! Sehr Wichtig!


... zur
Persönlichkeit
in uns
(Freiheit)

    3. Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest.
    Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes.

    4. Du sollst Vater und Mutter ehren,
    damit du lange lebest und es dir wohl ergehe auf Erden.


... zur
Gottheit
in uns

(Verantwortlichkeit)

    1. Ich bin der Herr dein Gott; du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

    2. Du sollst den Namen des Herrn deines Gottes nicht missbrauchen;
    denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht


... zur
Menschheit
in uns
(Solidarität)

    5. Du sollst nicht töten.

    6. Du sollst nicht ehebrechen.

    7. Du sollst nicht stehlen.

    8. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.


zur
Tierheit
in uns

(Gleichheit)

    9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.

    10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.

 

 

Einordnung und Ergänzung der sogenannten Sieben Todsünden
im Zusammenhang mit dem vierfachen “Schutzsystem-in-uns”.

Nach meiner Theorie, gehen diese “Todsünden” aus einem Defekt der natürlichen Schutzsysteme des Menschen hervor, die innerhalb der jeweiligen Kultur durch Sozialisation mehr oder weniger gut entfaltet werden.
Die beiden unteren Schutzsysteme “Schmerz” und “Angst” teilen wir mit den Säugetieren. Sie dienen vor allem der Bewältigung der individuell-persönlichen Lebenssituation. Sie sind sozusagen die “Tierheit-in-uns”.
Die beiden oberen Schutzsysteme “Ekel” und “Scham” sind dagegen wohl rein menschlich und dienen vor allem der Gestaltung des sozial-gemeinschaftlichen Lebensbereiches. Sie sind sozusagen die “Menschheit-in-uns”.

Zur Veranschaulichung der Zusammenhänge ein Schutzsystem-Quarternio:

Bitte Leserichtung des Quaternio beachten: GRÜN-BLAU-GELB-ROT!


Ekel
für den intellektuellen Bereich


Scham
für den spirituellen Bereich


Angst
für den emotionalen Bereich


Schmerz
für den somatischen Bereich

Von diesem Schutzsystem-Quarternio abgeleitet, äußere ich hier gleich noch eine weitreichende Vermutung, die sich insbesondere im somatischen Bereich ja schon ausreichend bewahrheitet hat (z.B. Schmerztherapie):
Liegt bei einer Person, in einem dieser Bereiche eine signifikante krankhafte Veränderung vor, dann wird sich ein deutlicher therapeutischer Effekt nur dann einstellen, wenn während einer Therapie der innere Zusammenhang der einzelnen Schutzsysteme (wie ich sie hier mittels des denk4-Ansatzes versuche aufzuzeigen) ausreichend Beachtung findet!

bei krankhaftem
Ekel
braucht es vor allem
Verständnis

bei krankhafter
Scham
braucht es vor allem
Vertrauen

bei krankhafter
Angst
braucht es vor allem
Zuwendung

bei krankhaftem
Schmerz
braucht es vor allem
Medikamente

 

Nun eine kurze Anmerkung zu den “Todsünden”:

Die Zusammenfassung der menschlichen Laster in sieben Todsünden besorgte schon Papst Gregor der Große (590-604). Auch schon beim den Apostel Paulus werden diese “Werke des Fleisches” in den so genannten Lasterkatalogen genannt: “Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben” (Gal 5,21). Der aktuelle Weltkatechismus der Katholischen Kirche sagt zu diesen todbringenden Verirrungen des Menschen: Die “Todsünde zerstört die Liebe” und zieht, falls der Mensch nicht umkehrt, “den ewigen Tod nach sich” (§ 1874).

Mein Anliegen hier, ist es nun unter anderem auch, die bisherigen kulturell gewachsenen Begriffsassoziationen in Bezug auf “Todsünde” endlich konstruktiv zu durchbrechen und so schrittweise eine “Entmythologisierung der Todsünde” zu ermöglichen. Damit wird eine “Entdramatisierung” herbeigeführt, die zugleich auch die weitere “Verteufelung des Menschen” verhindert!
Todsünden offenbaren letzten Endes den Kältetod von Beziehungen: “gegenüber dem Nächsten, gegenüber Gott, mir selbst gegenüber, aber auch im Hinblick auf die Schöpfung. Es gibt Haltungen und Einstellungen, die den Menschen buchstäblich >>ums Leben bringen<< können. Dass die >>Völlerei<<, also die Unmäßigkeit unseres Lebensstils und unser Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen, etwas Todbringendes hat, wird niemand bestreiten.” (aus: “Geil & Geizig”, S. 8)
Diese mühevolle Arbeit am Mythos todbringender Abgründe im Menschen ist für die “Entteufelung des Menschen” notwendig - und das im wahrsten Sinne des Wortes!
Nur wenn uns auf diesem Wege der Einsicht, die Kernaussage von “Todsünde” wieder vernünftig zugänglich gemacht wird, dann versteht auch der moderne Mensch von heute, den absoluten Ernst , die wahre Dimension von tod-ernsten Verirrungen. Das ist für den wirklich aufgeklärten Menschen dann auch in keinster Weise mehr lustig! Nur wenn wir den Tod-Ernst dieser Lage erkennen, dann wird auch der wirklich aufgeklärte Mensch anfangen zu begreifen, was es mit dem “Guten im Menschen” und dem “Bösen im Menschen” in seiner ganzen unergründlichen Weite und Tiefe auf sich hat. Dann wird der wirklich Aufgeklärte auch damit beginnen, wieder vernünftig und ernsthaft über “Todsünden” nachzudenken, weil er den Tod-Ernst unserer derzeitigen Lage erkannt hat. Wie von selbst wird er dann schnell von seinen, nur auf den ersten Anschein, kindischen Spielereien lassen - denn es sind letztendlich “todbringende Spiele”, die da aus Verzweiflung und Hilflosigkeit derzeit noch mit den “Todsünden” veranstaltet werden (z.B. in der Werbung, Eissorten, ...). Man könnte hier in der Tat behaupten: “... denn sie wissen nicht was sie tun!” Bei genauerem Hinsehen bleibt einem allerdings die vordergründige “Lächerlichkeit” im Halse stecken.
Wenn wir auf Grund der erkannten tod-ernsten Lage kreativ geworden sind, dann werden wir im konkreten Fall auch Menschen, die sich in eine lebenszerstörende Todsünde verirrt haben, wirksame und umfassende Lebens-Hilfe anbieten zu können - eben eine dem Menschen wahrlich gerechte Hilfe! Dies wäre dann auch wahre Seelsorge - Seelsorge, die Menschen zur Befreiung (von ihrem Laster) führt - Erlösung wie sie eben nur Gott in seiner Gnade und Güte uns Menschen zuteil werden lassen kann. Diesen Anspruch von ganzheitlicher Lebenshilfe und gnadenhafter Erlösung in Gott sollte jeder in sich tragen, der sich Seelsorger nennt, jeder der also wahre Sorge um das Seelenheil des Menschen in sich trägt!

Halten wir fest: Auf dem Weg des Menschen, in Gott wahre Erlösung und Befreiung zu finden, bedarf es der gewissenhaften Entmythologisierung von todbringenden Verirrungen im menschlichen Leben.
Aus diesem Grunde ist nun auch die bewusste Hinzunahme von “Macht” als achte Todsünde notwendig. Man könnte sie auch als krankhafte “Herrsch-Sucht” beschreiben. Mit der “Todsünde Macht” wird dann auch der ganze Zusammenhang todbringender menschlicher Verirrungen in Gänze zu erfassen sein. Halten wir deshalb diese revolutionäre Einsicht fest:

Es gibt nicht nur sieben,
sondern acht Todsünden!

Die achte und tödlichste Wurzelsünde
entwächst der “Macht”
und zwar in der krankhaften Form
von “Herrschsucht”,

dieLibido Dominandi”!
(nach Augustinus)

 

Eine kurze Begründung dazu:

Viele Zeitgenossen Augustinus machten die Christen, für die Eroberung Roms durch die Westgoten (410) verantwortlich. Von diesem geschichtlichen Hintergrund ausgehend, schreibt Augustinus sein berühmtes Werk “De civitate Dei”. Etwas vereinfacht gesagt, versucht Augustinus in diesem gewaltigen Opus seinen Zeitgenossen mit aller Vernunft darzulegen, dass ganz andere Ursachen als der “Glaube der Christen” zum Untergang Roms geführt hat. Unter anderem verweist er in diesem Zusammenhang dann auch auf den eigentlichen Grund, der für die Heimsuchung Roms verantwortlich zu machen ist, nämlich auf die sogenannte libido dominiandi:
“Denn ihr beklagt euch in dieser Heimsuchung doch nur deshalb über die christlichen Zeiten, weil ihr eure Schwelgerei gesichert wissen und ohne jede Belästigung durch Mühseligkeiten euren ganz verwerflichen Sitten fröhnen möchtet. Nicht deshalb etwa wünscht ihr Friede und Überfluß aller Art, um solche Güter in Ehren zu gebrauchen, d. h. bescheiden, vernünftig, mäßig und fromm, sondern um in unsinniger Verschwendung immer neue Vergnügungen damit zu erjagen und so durch das Glück moralische Übel heraufzubeschwören, die schlimmer sind als feindliches Wüten. ...
Gerade die Herrschsucht, die sich unter den Gebrechen der Menschennatur beim gesamten römischen Volke besonders ausgeprägt vorfand, hat, in einigen wenigen Machthabern zum Durchbruch gelangt, die übrigen in den Staub getreten, abgehetzt und unter das Joch der Knechtschaft gezwungen.”
(De civitate Dei, 1. Buch; 30. Kap.)

 

Für den aufgeklärten Menschen unserer Zeit, tut es angesichts der äußerst gefährlichen gesellschaftlichen Entwicklung daher not, endlich die bewußte Unterscheidung von “Stolz” und “Macht” vorzunehmen - denn die sozial-politischen Parallelen zwischen der Zeit Augustins und unserer Zeit sind frappierend. Aus der Geschichte lernen, das können wir in der Tat auch hier, denn wie einst die römische Gesellschaft, so ist auch heute die moderne westliche Gesellschaft krank - vielleicht auch schon mehr als das?!
In den folgenden Ausführungen zu den “Todsünden” soll es uns daher nicht um den so genannten “gesunden Stolz” oder die “ordnungsgemäße Macht” gehen, sondern um die krankhaften Entartungen von Stolz (= Ruhmsucht) und Macht (= Herrschsucht).
Nicht ohne Grund steht seit jeher der Stolz an der Spitze des Lasterkataloges. Warum? Die Anmaßung des Menschen, selbst wie Gott sein zu wollen, ist dabei der Ausgangspunkt. Das eigene Ego wird in den Mittelpunkt gestellt. Ebenso wird auch die eigene Geschöpflichkeit (= Gleichheit) nicht anerkannt. Alle weiteren Todsünden sind dann in gewisser Weise die logischen Konsequenzen von dieser todbringenden spirituellen Verirrung “Stolz” oder im engeren Sinne die “Ruhmsucht”.

So gilt es in unseren Tagen, den krankhaften “Stolz” von der krankhaften “Machtbesessenheit” zu unterscheiden. Interessanterweise unterscheidet aber auch bereits Augustinus die “Ruhmsucht” von der “Herrschsucht”. Er führt in seinem berühmten Werk “De civitate Dei” zu dieser Unterscheidung das folgende an:
"Allerdings ist ein Unterschied zwischen der Begierde nach Ruhm bei den Menschen und der Begierde nach Herrschaft. Denn wenn sich auch gern mit übertriebener Freude am Ruhm das Streben zu herrschen verbindet, so gibt man sich doch, wofern man nach wahrem Ruhm, wenn auch nur in den Augen der Menschen, verlangt, Mühe, denen nicht zu mißfallen, die ein richtiges Urteil haben. ... Sowie aber einer ohne das Verlangen nach Ruhm, das sich scheut vor den Mißfallen der richtig urteilenden Kreise, nach Macht und Herrschaft strebt, so kommt es ihm zumeist selbst auf die offenkundigsten Verbrechen nicht an, wenn er nur durch sie sein Ziel erreicht." (De civitate Dei, 5. Buch; 19. Kap.)

Aus den bereits oben angeführten Gründen, heißt wohl auch gleich das erste Buch in Augustins Werk "Libido Dominandi". Die Lust, andere Menschen zum eigenen Vorteil kontrollieren zu wollen, ist die Umkehrung des Willens Gottes auf Erden. Sie spaltet und trennt (Antichrist), wo die Liebe verbindet (Christusprinzip).
“Und das ist ein Merkmal des Weltstaates, da man hier Gott oder Götter verehrt, um mit ihrer Hilfe die Herrschaft auszuüben in Siegen und irdischem Frieden, und sie auszuüben um ihrer selbst willen, aus Herrschsucht, nicht aus liebender Fürsorge. Die Guten gebrauchen nämlich die Welt, um Gott zu genießen, die Bösen aber wollen umgekehrt Gott gebrauchen, um die Welt zu genießen; freilich nur die unter ihnen, die noch an das Dasein Gottes und an Beziehungen Gottes zu den menschlichen Dingen glauben.”
Wer sich daher nicht bewußt für den Dienst am Nächsten entscheidet wird automatisch zum Sklaven der eigenen Begierden. Diesen zentralen Gedanken Augustinus übersetze ich in die Zeit der Bundesrepublik Deutschland von heute mit dem folgenden Wort:

"Der Würde des Menschen dienen!"
(vgl. dazu auch den Artikel 1,1 GG und das Selbstverständnis unseren “Staatsdienern”,
also von Politikern, Juristen, Polizisten, Soldaten, Beamten,
.... aber auch von “Staatsbürgern” wie Wissenschaftlern, Ärzten, Lehrern, Journalisten, ... Wirtschaftsbossen, ...)

In gewisser Weise als modernes Beispiel, lehren uns im 20. Jahrhundert gerade die sogenannten "Widerstandskämpfer" während der Zeit des Nationalsozialismus, dass derjenige, der den "Gottesstaat" schmäht, sich nur mehr im "Weltstaat" wiederfinden kann - und dort ist jeder ein Sklave, da er nicht mehr seinem "Gewissen" zu folgen vermag. (Vgl. in diesem Zusammenhang auch Luthers Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen")

Das Kernproblem des irdischen Staates, das aus der libido dominandi entwächst - und die ganze bisherige Menschheitsgeschichte erzählt uns ja zur Genüge davon - bringt Augustinus mit dem folgenden Wort auf den Nenner: "Der Weltstaat begehrt die Herrschaft über die Welt und obwohl sich die Nationen seinem Joch beugen, ist er selbst doch beherrscht von seiner Lust zu Herrschen." (vgl. dazu De civitate Dei, 1. Buch; Schlusssatz der Vorrede)

In diesem Zusammenhang von der achten Todsünde, finde ich auch den Hinweis auf E. Michael Jones von Interesse. Er hat nämlich ein Buch über das von der sexuellen Revolution hervorgebrachte Horror-Genre geschrieben und verwendet für die Gegensätze von Gottesstaat und Weltstaat zwei drastische Symbole: "Man könnte diese beiden Prinzipien mit Jesus Christus und Dracula vergleichen: Jesus Christus vergoß sein Blut, damit wir ewiges Leben haben - Dracula vergießt unser Blut, damit er ewiges Leben hat."
"Eine Kultur, die Dracula so stark verehrt wie die unsere", meint Jones weiter, "ist eine vampirische Gesellschaft, angetrieben von der Libido Dominandi." - Die vielen Vampirfilme Hollywoods spiegeln diesen Horror ja deutlich wider. (wohin “sex sells” uns noch führen kann, vgl. dazu diesen Artikel - aber bitte kritisch lesen!)

... und noch ein Wort zu Augustinus, der Kirche und zur Epoche der Aufklärung:
"Mehr als tausend Jahre lang bestimmte Augustins Weltbild das christliche Abendland. Es vermittelte den Menschen einen moralischen Kodex, der sich an der christlichen Religion orientierte. Obwohl sich nicht nur die weltlichen Fürsten, sondern gerade auch die katholische Kirche sehr häufig nicht daran hielt und im Namen Jesu Christi unsägliche Verbrechen begangen wurden, so besaß der einfache Mensch trotz allem einen moralischen Kompaß für seinen Lebensweg.
Bedenkt man die Bigotterie und den Machthunger der Kirche, so war es wohl unvermeidbar, daß das Zeitalter der Aufklärung heraufdämmerte, um die Menschen vor der eisernen Faust des katholischen Dogmas zu befreien. Doch wie so oft, wurde dabei das Kind mit dem Bade ausgeschüttet: Um den Machtmißbrauch der Kirche (sowohl geistig wie irdisch) in die Schranken zu weisen, verbannte man Gott gleich mit aus dem Universum.
1728 besuchte der französische Philosoph Voltaire den englischen Wissenschaftler Sir Isaac Newton und lernte von ihm die Gesetze der Physik. Zurück in Frankreich, machte sich Voltaire schreibend daran, eine Gesellschaft zu erbauen, die nicht länger auf den religiösen Moral Vorstellungen eines Gottesstaates basieren sollte, sondern auf rein wissenschaftlichen - und damit wertneutralen - Prinzipien. Weil Gott, der das Herz von Augustins Gottesstaat gebildet hatte, nun nicht länger von Belang war, mußte die Aufklärung zwangsläufig dem Ideal des Weltstaates dienen - also der Libido Dominandi. Es erstaunt deshalb nicht, daß in diesem Zeitgeist die großen Revolutionen geboren wurden."
(Benjamin Seiler)

Von dieser Darstellung der Aufklärung leite ich nun auch die folgende Zusammenfassung ab: Die letzten zwei Jahrhunderte der Aufklärung sind vor allem auch dadurch zu kennzeichnen, dass zunehmend die Machtfülle von Menschen (Könige, Fürsten, Staatsmänner, Beamte, ...) mittels Gewaltenteilung, Rechtsstaat und Demokratie vernünftig eingeschränkt wurde. Auf Grund dieser, unserer Zeit vorausgegangenen Entwicklung von Gewaltenteilung und Demokratie, vermögen wir heute prinzipiell in einer nachherrschaftlichen Zeit leben - in einer Zeit, in der der gesunde Menschenverstand es einfach auf Grund des historischen Argumentes vom (krankhaften) “Missbrauch der Macht” verbietet, einzelnen Menschen absolute Machtfülle zuzugestehen. Demokratie und Gewaltenteilung sind also letzten Endes gesellschaftliche Instrumentarien, um die immerwährende tödliche Gefahr von überhandnehmender libido dominandi wirksam unter Kontrolle zu bringen, Da Sprache auch in nachherrschaftlicher Zeit sehr verräterisch ist, liegt es von daher auch auf der Hand, dass wir beispielsweise der Anmerkung des Philosophen J. Heinrichs endlich ausreichende Beachtung schenken: Für Heinrichs ist „Demokratie“ nämlich mit „Volksregierung“ oder „Selbstregierung des Volkes“ zu übersetzen, statt mit dem patriarchalischen „Volksherrschaft“ - ein Begriff, der noch aus den Zeiten der „Herrscher“ und der „Beherrschten“ stammt (vgl. dazu Johannes Heinrichs, „Die Revolution der Demokratie“, Berlin 2003, hier S. 19).

 

Vielleicht ist es nur aus den oben dargelegten Gründen, also erst in einer nachherrschaftlichen Zeit möglich geworden, endlich auch diese todbringende Verirrung in Bezug auf “Macht”, als achte Todsünde ins Bewußtsein der Menschen zu heben - also die todbringendste Sünde des Menschen überhaupt freizulegen (vgl. in diesem Zusammenhang auch das Wort des Philosophen Friedrich Nietzsche vom “Willen zur Macht” oder Begriffe wie “Kultur des Todes”, ...).
Nur aus diesem todbringenden Hintergrund heraus, ist auch der vorstaatliche Artikel 1,1 des Grundgesetzes für die Bundesrepublick Deutschland in seiner ganzen Tiefe und Tragweite zu verstehen und gewinnt von daher überhaupt seine alles überragende Bedeutung in unserem Rechtsdenken.

Der obige kurze Einblick in die Menschheitsgeschichte unter dem Vorzeichen von libido dominandi, führt uns nur zu deutlich vor Augen, wie oft reine “Machtbesessenheit”, nicht nur zu Tod und Verderben einzelner Menschen geführt hat, sondern der “Machtwahn” einzelner Machtinhaber hat auch ganze Völker in den Untergang getrieben.
Auch in unseren Tagen bringt nicht nur der Stolz einzelner Mächtiger, sondern gerade die bloße “Macht-Geilheit” (schon alleine diese Wortschöpfung spricht Bände!) von Staatsoberhäuptern und Politikern, ebenso die von einflussreichen Leuten aus dem Bereich von Industrie und Wirtschaft, aber auch zunehmend von Wissenschaftlern und Ingenieuren noch viel zu viel Unheil über die Menschen. Allerdings können die überaus komplexen und diffizilen Zusammenhänge von abgründiger Herrsch-Sucht, in einer sich schnell globalisierenden Welt wie der unsrigen, oft kaum mehr (direkt) nachvollzogen werden. Wir können nur hoffen und möglichst bald damit anfangen, effektiv die Grammatik unserer Gesellschaft, also die staatlichen Strukturen weiterzuentwickeln, um so auch in Zukunft durch vernünftige Gewaltenteilung, wirksamen Rechtsstaat und funktionierende Demokratie, der (bedrohlich zunehmenden) Machtfülle machthungriger Menschen vernünftig Einhalt bieten zu können.

Die fatalen Auswirkungen dieser spirituellen Verirrung in willkürliche und tödliche Macht, nehmen gerade in unseren Tagen auf erschreckende Weise zu. Der oben angedeutete geschichtliche Ausblick in das alte Rom, zeigt uns auf, wohin eine gesellschaftlich unkontrollierbare libido dominandi die Menschen letztlich führt. Dieser Blick lehrt uns auch globale Zusammenhänge zu erkennen und so die erschreckenden Zeichen unserer Zeit zu deuten:

Herrschsucht treibt beispielsweise findige Köpfe zur Entwicklung von perfiden Landminen an,
genauso wie kreative Ingenieure zum Bau von städtezerstörenden Atombomben.

Die Macht zu Beherrschen treibt ebenso geniale Wissenschaftler dazu an,
dem Keim menschlichen Lebens unantastbare Würde abzusprechen.

Krankhafte Sucht nach Macht treibt Politiker wie Wirtschaftsbosse dazu an, 
fatale Fehlentscheidungen zu treffen.

Libido dominandi treibt Staaten zum Krieg,
genauso wie fundamentalistische Selbstmordattentäter zum tausendfachen Mord an.

Machtbesessenheit treibt in unseren Tagen letzten Endes auch (religiöse) Führer dazu an,
(Gottes-)Staaten, mit menschenunwürdigen Rechtssystemen zu errichten!

...

... und wie schaut es in unserer Gesellschaft mit dem “Missbrauch von Macht” in den privaten Bereichen aus? (Amokläufer, zunehmende Gewalt, sexueller Missbrauch, Ausbeutung von Arbeitskräften, ...)

 

Zusammenfassung:
Die Todsünden, einschließlich der “Macht”, werden hier als krankhafte “todbringende Verirrungen” des Menschen verstanden, als Verhaltensweisen die letztendlich Leben zerstören.

Noch zwei Hinweise zum nachfolgenden Todsünden-Quaternio:
Das Quaternio stellt im Überblick einen wichtigen Bezug zwischen den Todsünden und den klassischen Kardinaltugenden (im Feld jeweils kursiv) her. Gerade diese schon seit der Antike bekannten vier Tugenden sind nämlich auch die einzig adäquate Prophylaxe gegen die todbringenden Verirrungen des Menschen - damals wie heute.
Eine weitere Unterscheidung ist vielleicht noch von Bedeutung. Die linke todbringende Verirrung in einem Feld ist grundsätzlich eher nach “innen gerichtet” (also eher auf die eigene Person fixiert, z.B. die Völlerei) - die rechte Todsünde dagegen ist eher nach “außen gerichtet” (also vorrangig auf eine andere Person oder gleich mehrere Personen fixiert, “gebraucht” also unmittelbar andere Menschen z.B. Wollust).

Bitte Leserichtung des Quaternio beachten: GRÜN-BLAU-GELB-ROT!


Geiz - Neid

Klugheit


Stolz - Macht

Tapferkeit


Trägheit - Zorn

Gerechtigkeit


Völlerei - Wollust

Besonnenheit

In diesem Zusammenhang dürfte auch noch die ergänzende Gegenüberstellung der sogenannten vier Erzengel in einem Quaternio von Interesse sein:


Uriel
“Mein Licht ist Gott”


Michael
“Wer ist wie Gott?”


Gabriel
“Meine Stärke ist Gott”


Raphael
“Gott hat geheilt”

vgl. dazu auch die Ausführungen in Wikipedia (insbesondere die der farblichen Zuordnung!)

 

Lesenswerte Literatur und Links zum Thema (Auswahl):

Klaus Hofmeister, Lothar Bauerochse (Hg.): “Geil & Geizig. Die Todsünden als Gebot der Stunde.”, Würzburg 2004.

John Medina: “Am Tor zur Hölle. Die Biologie der sieben Todsünden.”, Heidelberg-Berlin 2002.

Eine Sendereihe auf ProSieben
(sehr aufreißerisch mit gewaltigen [besser: “gewalt-tätigen”] Bildern gemacht;
sollte deshalb auch eher kritisch betrachtet werden!)

 

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